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Glänzend, halbmatt, vollmatt: Der Glanz entsteht in der Polykondensation

Der Glanz einer Polyester-Maschenware entsteht nicht in der Färberei, sondern wird über den Anteil des TiO₂-Mattierungsmittels in der Polymerschmelze bestimmt. Dieser Beitrag erläutert die drei Glanzklassen — glänzend, halbmatt, vollmatt — und wie sie Opazität, Griff, Farbtiefe und UV-Verhalten verändern.

5 Abschnitte 2 Begriffe 6 Quellen ~4 Min.

Ob eine Maschenware glänzend oder matt wirkt, wird — anders als die meisten Einkäufer annehmen — nicht beim Färben oder Ausrüsten entschieden, sondern dort, wo das Garn noch gar nicht existiert: in der Schmelze der Polykondensationsanlage. Der Glanz wird über den Anteil des Mattierungsmittels Titandioxid (TiO₂) festgelegt, das in der PET-Schmelze dispergiert wird. TiO₂ ist ein unlösliches weißes Pigment mit hohem Brechungsindex. Seine Partikel im Submikrometerbereich sind im Filamentkörper eingebettet: Sie streuen das Licht, brechen die glasartige Oberflächenreflexion der Faser und wandeln die Spiegelreflexion, die das Auge als „Glanz“ liest, in eine matte Diffusion um. Das ergibt sich unmittelbar aus der Physik des Schmelzspinnens und der PET-Polymerchemie; lesen Sie diesen Beitrag daher zusammen mit unseren Leitfäden zur PET-Polymer-IV und zum Schmelzspinnen (POY/FDY).

Warum TiO₂ im Polymer und nicht beim Färben zugegeben wird

TiO₂ ist kein Farbstoff, sondern ein unlösliches Pigment; es muss physikalisch in die Fasermatrix eingebettet werden. Deshalb wird es nach der Veresterung, vor oder während der Polykondensation als Slurry (in MEG dispergiertes TiO₂) in die Schmelze dosiert und bleibt dort dauerhaft und untrennbar eingeschlossen. Der in der Färberei eingesetzte Dispersionsfarbstoff diffundiert dagegen bei ~130 °C in die amorphen Bereiche der Faser (siehe Leitfaden zum Dispersionsfärbeprozess) und bestimmt die Farbe — nicht den Glanz. Daraus folgt eine praktische Wahrheit: Der Glanz ist eine Polymer- bzw. Garnentscheidung und lässt sich nicht rückgängig machen. Dieselbe Färberezeptur wirkt auf einer glänzenden Basis lebendig und tief, auf einer vollmatten Basis heller und milchiger. Der Glanz ist deshalb ein TDS-Parameter, der vor der Farbtonfreigabe festgelegt werden muss.

Die drei Glanzklassen und typische TiO₂-Gehalte

Die Industrie unterteilt den Glanz in drei repräsentative Bänder. Die folgenden TiO₂-Massenanteile sind Näherungs- bzw. Richtwerte und variieren je nach Hersteller und Anwendung; sie sind kein kodierter Standard. Glänzendes Garn (clear & bright) wird in der Praxis mit ~0 % TiO₂ ohne Mattierungsmittel hergestellt und liefert die höchste Oberflächenbrillanz und das am stärksten transluzente Erscheinungsbild. Halbmatt (semi-dull) — mit Abstand die häufigste Klasse für Maschenware im Bekleidungsbereich — enthält typischerweise ~0,3–0,5 % TiO₂; das ist der „normale“ textile Glanz. Vollmatt (full-dull / extra-dull) wird mit bis zu ~2 % TiO₂ versetzt und ergibt ein nahezu mattes, deckendes Erscheinungsbild.

Repräsentativer Vergleich der drei Glanzklassen. Die TiO₂-Gehalte sind Näherungs- bzw. Richtwerte, kein kodierter Standard.
GlanzklasseTypischer TiO₂-Gehalt (repräsentativ)Erscheinungsbild / OpazitätGriff & FarbtiefeTypischer Einsatz
Glänzend (bright)~0 % (ohne Mattierungsmittel)Hoher Glanz, transluzent, geringe DeckkraftGlatter/kühler Griff; tiefste und lebendigste FarbausbeuteSatinfutter, glänzende Sportbekleidung, dekoratives Filament
Halbmatt (semi-dull)~0,3–0,5 %Ausgewogener, natürlicher Textilglanz, mittlere DeckkraftNeutraler Griff; gute Farbtiefe und ReproduzierbarkeitMaschenware für Bekleidung allgemein (Single Jersey, Interlock, Rippware)
Vollmatt (full-dull)bis zu ~2 %Matt, opak, hohe Deckkraft, keine ReflexeWeicherer/fülligerer Griff; die Farbe wirkt heller und milchigerActivewear mit matter Optik, Futter mit Deckkraft-/Sichtschutzanforderung, Anti-Glare

Opazität, Deckkraft und Farbtiefe

Die TiO₂-Partikel streuen das Licht nicht nur an der Oberfläche, sondern im gesamten Faservolumen. Daraus folgen zwei Effekte. Erstens steigen Opazität und Deckkraft: Eine vollmatte Maschenware lässt weniger Licht durch und wird deshalb für Futter und für Anwendungen mit Sichtschutzanforderung bevorzugt (z. B. um das Durchscheinen der Haut bei heller Activewear zu verringern). Zweitens sinkt die Farbtiefe: Das gestreute weiße Licht mischt sich mit der vom Farbstoff absorbierten Farbe, wäscht dunkle Töne aus und lässt dieselbe Dispersionsrezeptur heller und milchiger erscheinen als auf glänzender Basis. In der Praxis wird die höchste Farbausbeute bei tiefen Tönen wie Marineblau oder Schwarz auf glänzender oder halbmatter Basis erreicht; dieselbe Tiefe auf vollmatt zu erzielen, erfordert mehr Farbstoff und eine sorgfältige reduktive Nachreinigung (siehe Leitfaden zur reduktiven Nachreinigung). Für Farbmanagement und ΔE-Konstanz ist die Glanzklasse eine Variable, die vor der Freigabe des Lab Dip (Laborausfärbung) festgelegt werden muss.

Griff und UV-Verhalten

TiO₂ ist zugleich ein indirekter Faktor für Griff und Beständigkeit. Der Mattierungsgrad verändert das Spinn- und Verstreckverhalten sowie den oberflächenoptischen Charakter der Faser; vollmatte Garne ergeben in der Regel einen weicheren, weniger „plastikglänzenden“ Griff. Auf der UV-Seite streut und reflektiert TiO₂ bekanntermaßen UV-Strahlung: Mattiertes, insbesondere vollmattes Polyester zeigt gegenüber nicht mattiertem, glänzendem Polyester tendenziell einen etwas höheren intrinsischen UV-Schutz (UPF). Das ist jedoch eine allgemeine, repräsentative Tendenz und kein zertifizierter UPF-Wert; der reale UPF hängt auch von Warenkonstruktion, Flächengewicht, Farbe und Ausrüstung ab. Andererseits kann die photokatalytische Aktivität des TiO₂ den Abbau der Polymerketten bei langer UV-Exposition beschleunigen, weshalb ein höherer Mattierungsgrad nicht immer eine bessere Außenbeständigkeit bedeutet; bei Außenanwendungen wird dieser Zielkonflikt gesondert bewertet.

Was das für den Einkäufer bedeutet

  • Der Glanz ist eine Polymer- bzw. Garnentscheidung und steht vor dem Färben — er lässt sich später nicht ändern und muss deshalb bei Bemusterung und Bestellung klar angegeben werden.
  • Halbmatt (~0,3–0,5 % TiO₂) ist die Standard- und sichere Wahl für die meisten Maschenwaren für Bekleidung; glänzend wählt man für maximale Farbtiefe und Brillanz, vollmatt für Deckkraft und matte Optik.
  • Dieselbe Färberezeptur wirkt auf verschiedenen Glanzbasen unterschiedlich: glänzend/halbmatt für tiefe dunkle Töne, vollmatt für ein mattes, deckendes Erscheinungsbild.
  • Geben Sie die Glanzklasse im TDS und in der Lab-Dip-Anfrage ausdrücklich an; ΔE-/Farbtonkonstanz (siehe Leitfaden zum Farbmanagement und ΔE) ist nur auf einer festgelegten Glanzbasis aussagekräftig.

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