Polymer & Prozess

Faserquerschnitt-Engineering: trilobal, hohl und mehrkanalig

In dem Moment, in dem der Querschnitt eines Filaments den Kreis verlässt und Lappen, Rillen und Hohlräume annimmt, werden Glanz, Trocknungsgeschwindigkeit und Wärmeverhalten neu ausgelegt.

7 Abschnitte 4 Begriffe 9 Quellen ~6 Min.

Die Geometrie, die Polyester in der Schmelze beim Durchtritt durch die Bohrung der Spinndüse annimmt, ist der stärkste und zugleich am wenigsten sichtbare Hebel für das Verhalten der Faser in der Anwendung. Bei gleichem Polymer (PET) und gleichem Denier lassen sich Lichtreflexion, Kapillartransport, Deckvermögen, Griff und Wärmedämmung unabhängig voneinander einstellen, sobald der Querschnitt von rund auf trilobal, mehrrillig oder hohl wechselt. Damit ist die Konstruktion des Querschnitts der sauberste Weg, eine Leistungsebene hinzuzufügen, ohne die Chemie zu verändern.

Vier Familien von Polyester-Faserquerschnitten und ihre hervortretenden Funktionen.

Vom Kreis zum Lappen: Glanz und Schmutzkaschierung

Der klassische runde Querschnitt reflektiert das Licht von einer einzigen gekrümmten Fläche; das Auge sieht einen mittleren, weichen Glanz. Im trilobalen Querschnitt wird das Licht sowohl von der Außenfläche als auch von einem Lappen zum nächsten reflektiert, weshalb die Faser deutlich heller und lebendiger wirkt — ein seidenähnlicher Glanz. Dasselbe gelappte Profil kaschiert Schmutz und Staub dank der diffusen Reflexion an der Oberfläche: Gegenüberliegende Facetten streuen das Licht, der Kontrast eines Flecks sinkt. Deshalb sind trilobales Polyamid und Polyester seit Jahrzehnten ein verbreiteter Querschnitt für Teppich- und Möbelstoffgarne; die Lappen liefern zudem Bauschigkeit (bulk) und Deckvermögen (cover).

Wie ausgeprägt ein Lappen ist, misst das „Modifikationsverhältnis“ (Umkreisdurchmesser / Inkreisdurchmesser); mit steigendem Verhältnis nehmen Glanz und Bauschigkeit zu, doch zu scharfe Lappen führen zu unerwünschtem Glitzern (glitter) und zum Risiko von Ziehfäden (Snagging). Die Patentliteratur zu trilobalen/tetralobalen Profilen mit geringem Glitzern und hoher Bauschigkeit stellt dieses Gleichgewicht über Lappenwinkel und Spitzenradius ein.

Mehrkanalige und gerillte Querschnitte: der Kapillarmotor

Die Physik des Feuchtemanagements folgt der Young-Laplace-Beziehung: Ein enger Kapillarkanal saugt Flüssigkeit höher als ein weiter, denn der Kapillardruck ist dem Kanalradius umgekehrt proportional. Ein mehrkanaliger Querschnitt bringt feine, längs verlaufende Rillen in die Faseroberfläche ein, schafft damit zahlreiche künstliche Kapillaren und vergrößert die spezifische Oberfläche. Das kategoriebildende Beispiel der Branche ist die Faser vom Typ COOLMAX, ausgelegt mit vier Längsrillen (Vierkanalprofil, abgeflachtes Kreuz); nach Herstellerangaben bietet diese Struktur rund 20 % mehr Oberfläche als eine runde Faser gleichen Deniers und zieht den Schweiß rasch von der Hautoberfläche ab und verteilt ihn.

Beispiele mit noch tieferen Rillen treiben den Kapillareffekt an die Grenze. Die 4DG-Polyesterfaser (deep-grooved) von Eastman besitzt ein Profil mit acht tiefen Kanälen und liefert nach Herstellerdaten je Denier rund die 2,5-fache, höchstens etwa die 3-fache (≈ 300 %) spezifische Oberfläche einer runden Faser; dieselbe Quelle berichtet, dass sich die Kanäle wie selbsttätig fördernde Leitungen verhalten und einen hohen Kapillartransport ermöglichen (die Transportkapazität misst der Hersteller mit dem herstellereigenen Maximum-Potential-Flux-Test in cc/g/Stunde). In Studien, die profilierte Fasern vergleichen, nehmen Steighöhe und Geschwindigkeit der Dochtwirkung meist in der Reihenfolge octalobal > 4DG > hohl > trilobal > konjugiert ab — je mehr und je tiefere Kanäle, desto stärker der Kapillartransport.

Hohlquerschnitt: Leichtigkeit, Bauschigkeit und Dämmung

Die Hohlfaser (hollow) enthält einen Luftraum, der entlang ihrer Achse verläuft; der Hohlraumanteil erreicht je nach Anwendung typischerweise etwa 5–25 % der Querschnittsfläche. Da stehende Luft eine geringe Wärmeleitfähigkeit hat, erhöhen diese Lufttaschen in der Faser und zwischen den Fasern die Dämmung und senken zugleich die Masse: leichtere Füllung bei gleicher Wärmeleistung. Hohle Dämmfasern vom Typ THERMOLITE nutzen genau dieses Prinzip; der hohle Kern schließt Luft ein und unterstützt zugleich rasches Trocknen. In hohl-trilobalen Hybridprofilen wird dagegen in jedem Lappen ein Hohlraum angelegt, um Bauschigkeit, Rückstellvermögen (resilience) und Schmutzkaschierung zusammen zu erreichen; die Patentliteratur nennt für diesen Typ einen Hohlraumanteil von rund 5–12 % und ein Modifikationsverhältnis von rund 2–3.

Ein bemerkenswerter Ausgleichspunkt ist dieser: In Dochtversuchen kann die runde Hohlfaser eine höhere Dochtwirkung zeigen als die trilobale, weil der Zwischenfaserraum groß ist und der erste Anstieg der Flüssigkeit wenig Widerstand findet. Trilobale Garne packen sich dagegen dichter und liefern deshalb in der Regel höhere Festigkeit und geringere Dehnung. Die Wahl des Querschnitts ist also kein einzelnes „Bestes“, sondern ein bewusster Kompromiss im Dreieck aus Dochtwirkung, Festigkeit und Griff.

Flache/bandförmige und dreieckige Querschnitte

Der flache (flat/ribbon) Querschnitt ist ein bandartiges Profil, dessen Verhältnis von Haupt- zu Nebenachse typischerweise bei rund 3–6 liegt; seine konkaven Kanten ziehen Feuchtigkeit kapillar an und geben zugleich einen weichen Griff, fließenden Fall und einen seidigen Schimmer. Der dreieckige (silk-like) Querschnitt ahmt die abgerundete Dreiecksgeometrie der Naturseide nach und erzeugt so den charakteristischen Glanz. Diese Profile sind stärker auf Ästhetik und Griff ausgerichtet; im selben Textil mit Leistungsquerschnitten (gerillt/hohl) kombiniert, lassen sich Anmutung und Funktion zugleich erreichen.

Spinndüsenkonstruktion und Formhaltung

Die Qualität der Profilfaser beginnt an der Bohrung der Spinndüse. Deren Geometrie wird meist funkenerosiv (EDM) bearbeitet. Beim Austritt aus der Bohrung baut die Schmelze über die Düsenschwellung (die swell) ihre Orientierung in Fließrichtung ab und versucht, den Querschnitt abzurunden und scharfe Lappen abzustumpfen; auch die Oberflächenspannung drückt das Profil zum Kreis. Um den angestrebten Querschnitt zu halten, braucht es deshalb hohe Schmelzeviskosität, rasche Kristallisation und kontrollierte Anblasung (quench). In der Praxis ist die extrudierte Form keine exakte Kopie der Bohrung; Bohrungsgeometrie, Durchsatz und Verstreckungsgrad werden gemeinsam eingestellt, um das endgültige Faserprofil zu erhalten.

Messung: wie sich die Leistung des Querschnitts nachweisen lässt

Das Feuchteverhalten des Querschnitts wird mit genormten Verfahren objektiviert. Die vertikale Dochtwirkung misst AATCC 197; die Revision von 2022 definiert das Verfahren als „vertikale Dochtgeschwindigkeit bis zu festgelegten Distanzen“: Das untere Ende einer Streifenprobe wird mit Wasser in Kontakt gebracht und die Zeit erfasst, die das Wasser bis zum Erreichen festgelegter Höhen braucht (das Schwesterverfahren, das die in festgelegten Zeiten zurückgelegte Strecke abliest, ist AATCC 213). Für das mehrdirektionale Verhalten misst AATCC 195 (Moisture Management Tester, MMT) Einzelindizes wie Benetzungszeit, Aufnahmegeschwindigkeit, Ausbreitungsgeschwindigkeit und kumulative einseitige Transportfähigkeit (R); diese Indizes werden von 1 (schwach) bis 5 (ausgezeichnet) bewertet, während die daraus zusammengesetzte Gesamtkapazität im Management flüssiger Feuchtigkeit (OMMC, Overall Moisture Management Capacity) als Index zwischen 0 und 1 angegeben wird. Die horizontale Dochtwirkung bzw. Tropfenprüfung bewertet AATCC 198. Auf der thermischen Seite verändert die Querschnittsform Wärmeleitfähigkeit, Wärmedurchlasswiderstand und Luftdurchlässigkeit; hohle und gelappte Profile erhöhen die Dämmung durch eingeschlossene Luft, gerillte Profile beeinflussen den Durchgang von Luft und Feuchtigkeit.

Polyester-Faserquerschnitte: Geometrie, dominante Wirkung und typischer Einsatz (allgemeine/didaktische Werte)
QuerschnittGeometrie-HinweisDominante WirkungTypischer Einsatz
RundVollkreisMittlerer Glanz, ausgewogene FestigkeitUniversalgarn, Nähgarn
TrilobalDrei Lappen, Mod.-Verhältnis ~2–3Hoher Glanz + Schmutzkaschierung + BauschigkeitTeppich, Möbelstoff, glänzende Maschenware
Vierkanal (z. B. Typ COOLMAX)Vier Längsrillen, abgeflachtes KreuzKapillare Dochtwirkung + rund 20 % mehr OberflächePerformance-/Sportware
Mehrrillig (z. B. Typ 4DG)Acht tiefe Kanäle~2,5–3× spezifische Oberfläche, sehr hoher TransportFeuchtemanagement, technische Nonwovens
HohlAxialer Hohlraum 5–25 %Leichtigkeit + Wärmedämmung + BauschigkeitDämmfüllung, leichte Faser
Flach/bandförmigAchsenverhältnis ~3–6Weicher Griff, Fall, seidiger SchimmerÄsthetische Maschenware/Gewebe

Technische Schlussfolgerung

  • Stehen Glanz und Schmutzkaschierung im Vordergrund, ist trilobal die Wahl; das Profil bringt auch ohne Temperatursteuerung Bauschigkeit und Deckvermögen.
  • Haben rasches Trocknen und Schweißtransport Vorrang, entscheiden Zahl und Tiefe der Rillen — vom Vierkanal- zum mehrrilligen Profil (Typ 4DG) wird die Dochtwirkung stärker.
  • Für Wärme bei geringem Gewicht eignet sich der Hohlquerschnitt; eingeschlossene Luft senkt die Masse und hebt die Dämmung.
  • Dochtwirkung und Festigkeit verbessern sich nicht immer gemeinsam: hohl saugt stärker, trilobal gibt mehr Festigkeit — wählen Sie die Abwägung nach der Anwendung.
  • Den Zielquerschnitt von der Bohrung bis in die Faser zu tragen, verlangt die gemeinsame Einstellung von Düsenschwellung, Viskosität und Anblasung; je aggressiver das Profil, desto enger das Prozessfenster.

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