Qualität & Prüfung

Qualitätsprüfungen für Maschenware: Was bei Polyester gemessen wird

Ein praktischer Überblick über die Prüfverfahren für Pilling, Verdrehung, Farbechtheit, Dimensionsstabilität und Berstfestigkeit bei Polyester-Maschenware.

7 Abschnitte 5 Begriffe 7 Quellen ~5 Min.

Bei einer Polyester-Maschenware zählt das Verhalten in der Laborprüfung ebenso viel wie Flächengewicht und Zusammensetzung auf dem Papier. Für den B2B-Einkauf sind Qualitätsprüfungen eine gemeinsame Sprache, die vorhersagt, wie sich die Ware über die Lebensdauer des Kleidungsstücks verhält. Die folgenden Prüfungen werden bei Performance-Maschenware am häufigsten angefragt; die Ergebnisse werden meist nach ISO oder AATCC bewertet.

Pilling

Pilling entsteht, wenn sich kurze Faserenden an der Oberfläche durch Reibung zu kleinen Knötchen verschlingen. Für Polyester ist diese Prüfung besonders wichtig: Die hohe Faserfestigkeit kann dazu führen, dass die entstandenen Knötchen an der Oberfläche haften bleiben, statt abzufallen. Die Reibung wird über eine festgelegte Zyklenzahl aufgebracht, typischerweise nach Martindale oder mit der ICI-Pillingbox; das Ergebnis wird auf einer Fotoskala von 5 (kein Pilling) bis 1 (starkes Pilling) benotet.

Verdrehung / Spiralität (Torque)

In einflächigen Strukturen (Single Jersey) neigt der Garndrall zum Aufdrehen, wodurch die Nahtlinien nach der Wäsche seitlich auswandern; das nennt man Verdrehung oder Spiralität (ISO 16322-2). Nach dem Waschen und Trocknen der Probe wird die prozentuale Nahtabweichung gemessen. Ausgeglichener Drall und korrektes Thermofixieren (heat-setting) sind die wichtigsten Wege, die Verdrehung unter Kontrolle zu halten.

Farbechtheit (Waschen / Reiben / Licht)

  • Waschechtheit: Die Probe wird mit Standardwaschmittel gewaschen; Farbänderung und Anbluten des angrenzenden weißen Begleitgewebes werden mit dem Graumaßstab (1–5) bewertet.
  • Reibechtheit (Crocking): Gemessen wird der Farbübertrag auf eine andere Oberfläche bei trockener und nasser Reibung; bei dunklen Tönen und Digitaldrucken ist sie kritisch.
  • Lichtechtheit: Die Probe wird kontrolliertem Licht ausgesetzt, das Ausbleichen wird mit der Blauwollskala (1–8) bewertet; wichtig bei Artikeln für den Außenbereich und für Vorhänge.

Dimensionsstabilität und Schrumpf

Die Ware wird markiert, gewaschen und getrocknet; die Maßänderung in Breite und Länge wird in Prozent berechnet. Maschenware neigt stärker zum Schrumpf, weil ihr das Gleichgewicht aus Kette und Schuss fehlt. Korrektes Thermofixieren und Relaxation halten den Schrumpf innerhalb der Toleranz; die meisten Performance-Artikel zielen auf ein enges Prozentband.

Berstfestigkeit

Bei Maschenware wird statt der Reißkraft die Berstfestigkeit gemessen: Die Ware wird von unten über eine Membran aufgewölbt oder mit einer Stahlkugel durchgedrückt, bis sie birst; der dabei erreichte Druck (kPa) wird aufgezeichnet. Der Wert lässt auf die Haltbarkeit mehrachsig belasteter Zonen wie Ellenbogen und Knie schließen. Zwischen leichtem Single Jersey und schwerem Interlock ist ein natürlicher Unterschied zu erwarten.

Ein praktischer Hinweis für den Einkauf

Klären Sie Zielprüfungen und Annahmekriterien in der technischen Spezifikation, bevor Sie die Serienproduktion freigeben; Normnummer (ISO/AATCC), Verfahren und Annahmegrenze gehören zusammen notiert. Diese Klarheit senkt die Laborkosten und verringert spätere Streitfälle.

Im Detail: die Matrix der Standardprüfungen

Die Namen der Grundprüfungen zu kennen ist etwas anderes, als eine technische Spezifikation unstrittig zu machen. Die folgende Matrix ordnet jeder Eigenschaft die tatsächliche Normnummer, das Messprinzip und die berichtete Einheit zu; damit reduziert sich eine Laboranfrage auf eine Zeile und der Vergleich wird objektiv. Der kritische Punkt bei Maschenware: Die meisten Normen decken Gewebe und Maschenware ab, doch die Verfahrensparameter (Auflagedruck, Prüffläche, Abbruchkriterium) werden nach der Maschenstruktur gewählt.

Kernprüfmatrix für Polyester-Maschenware: Eigenschaft, Norm und Verfahrensüberblick
EigenschaftNormVerfahren / PrüfabbruchBerichtete Einheit
Scheuerbeständigkeit (Abrasion)ISO 12947-2Martindale, Lissajous-Figur; bei Maschenware Prüfabbruch = erstes Loch; Auflagedruck 9 kPa (Bekleidung) oder 12 kPa (Möbelstoff/Arbeitskleidung)Zyklenzahl (cycles)
PillingISO 12945-2Modifiziertes Martindale-Verfahren; Reibungsstufen 125/500/1000/2000/5000/7000; FotoskalaNote 5 (keines) → 1 (stark)
BerstfestigkeitISO 13938-1 (hydraulisch) / -2 (pneumatisch)Membranaufwölbung; Standardfläche bei Maschenware 50 cm² (Ø 79,8 mm), alt. 7,3/10/100 cm²Druck (kPa) + Berstdehnung (mm)
MaßänderungISO 6330 + ISO 3759 + ISO 50776330 Wasch-/Trockenprogramm, 3759 Markierung, 5077 Messung und Berechnung% Änderung in Breite/Länge
WaschechtheitISO 105-C06Standardwaschmittel + Stahlkugeln, Mehrfaser-Begleitgewebe; GraumaßstabFarbänderung & Anbluten 1–5
ReibechtheitISO 105-X12Crockmeter, trockene und nasse Reibung; Graumaßstab für das AnblutenTrocken/nass 1–5
LichtechtheitISO 105-B02Xenonbogenlicht, gepaarte Belichtung mit Blauwoll-ReferenzenBlauwollnote 1–8
FlächengewichtEN 12127Masse/Fläche einer klimatisierten Kleinprobe; Normklima nach ISO 139g/m²
Verdrehung (Spiralität)ISO 16322-2Markierung als Diagonale bzw. umgekehrtes T, Verzugswinkel nach der Wäsche% Verdrehung / Abweichung

Scheuerbeständigkeit: Auflagedruck und Prüfabbruch

Das am häufigsten übersehene Detail beim Scheuern ist der Auflagedruck: ISO 12947-2 sieht 9 kPa für Bekleidung und 12 kPa für Möbelstoff/Arbeitskleidung vor; mit falschem Auflagedruck geprüft, ergibt dieselbe Ware eine irreführende Zyklenzahl. Da Maschenware offenporiger ist als Gewebe, gilt als Prüfabbruch nicht der Fadenbruch, sondern das Erscheinen des ersten Lochs; deshalb lassen sich 20.000 Zyklen bei einer Maschenware und 50.000 Zyklen bei einem dichten Gewebe nicht in dieselbe Klasse einordnen.

Bersten: Wahl der Prüffläche

Beim Bersten bestimmt die Wahl der Prüffläche das Ergebnis unmittelbar: Wird dieselbe Ware mit 7,3 cm² statt mit 50 cm² gemessen, liefert sie einen höheren kPa-Wert, weil die kleinere Fläche weniger Schwachstellen enthält. Deshalb genügt in der Spezifikation ein bloßes „Bersten ≥ X kPa“ nicht; Prüffläche (bei Maschenware bevorzugt 50 cm²) und Verfahren (hydraulisch 13938-1 oder pneumatisch 13938-2) sind gemeinsam festzuschreiben.

Dimensionsstabilität: das Normen-Trio

Dimensionsstabilität stützt sich nicht auf eine einzelne Norm, sondern auf ein Trio: Die Probe wird nach ISO 3759 markiert, nach dem gewählten Wasch-Trocken-Programm der ISO 6330 behandelt (eine Kombination aus Wassertemperatur, mechanischer Beanspruchung und Trocknungsart) und das Ergebnis nach ISO 5077 berechnet. Da dieselbe Ware bei 40 °C mit Leinentrocknen und bei 60 °C mit Trommeltrocknen deutlich verschiedene Prozentwerte liefern kann, gehört der Zielwert immer zusammen mit der Programmnummer notiert.

Echtheiten, Flächengewicht und Verdrehung: Variantencodes

In der Normenreihe ISO 105 bietet C06 mehrere Varianten unterschiedlicher Prüfschärfe (A1S, B2S usw.); der Variantencode definiert die Temperatur (A = 40 °C, B = 50 °C, C = 60 °C …), die Zahl der Stahlkugeln (1 = ohne Kugel, 2 = eine Kugel) und ob Bleichmittel enthalten ist (S = Standard, M = mit Bleichmittel) — deshalb ist „C06 ≥ 4“ allein ein unvollständiges Kriterium, der Variantencode gehört dazu. Die Farbänderung wird mit dem Graumaßstab benotet, das Anbluten getrennt davon am Mehrfaser-Begleitgewebe; bei dunklen und brillanten Dispersionsfarbstoffen ist die Nassreibung (X12 nass) meist der kritischste Punkt. Eine in dieser Tiefe geschriebene Spezifikation legt auch das Flächengewicht (EN 12127, bei Maschenware die genauere Wahl gegenüber dem Gewebe-Anwendungsbereich der ISO 3801) und die Verdrehung (ISO 16322-2) mit derselben Disziplin fest.

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