Produktion & Maschinen

Trikot oder Raschel? Auswahlleitfaden für Kettenwirkware

Trikot ist fein, geschlossen und schnell (Futter, Bademode, Shapewear); Raschel steht für offene Strukturen, Spitze, Netz und 3D-Abstandsgewirke. Wir vergleichen die Familien KARL MAYER HKS (Trikot) und RSE/RD (Raschel) nach Maschinenfeinheit, Geschwindigkeit und Zielware.

4 Abschnitte 3 Begriffe 6 Quellen ~3 Min.

Das Kettenwirken ist das schnellste Flächenbildungsverfahren der Textilindustrie: Jede Nadel wird von ihrem eigenen Kettfaden versorgt, und die Maschen verbinden sich in Richtung der Maschenstäbchen (längs). Das Ergebnis ist eine laufmaschensichere Ware, deren Stabilität der eines Gewebes nahekommt. Anders als beim Rundstricken (Kulierware) durchläuft kein einzelner Faden die gesamte Maschenreihe; das erfordert eine Kettvorbereitung, das Schären (warping), doch bei Polyester-Filament entfällt das Schlichten (sizing) — der Faden wird nicht am Webblatt abgerieben. Kettenwirkmaschinen lassen sich im Wesentlichen in zwei Familien einteilen: Trikot baut feine, geschlossene Strukturen, Raschel baut offene, durchbrochene Strukturen. Die Wahl der richtigen Familie entscheidet von Anfang an, ob eine Ware ein Futter oder eine Spitze wird.

Trikot: fein, geschlossen, sehr schnell

Trikotmaschinen arbeiten typischerweise mit 2–4 Legebarren und bauen bei hoher Maschinenfeinheit eine dichte, glatte, geschlossene Oberfläche. Das ist der natürliche Weg für leichte Maschenware mit glattem Griff: Futter, Bademode, Shapewear und feines Mesh. Die HKS-Trikotserie des Referenz-OEM KARL MAYER wird in repräsentativen Ausführungen im Feinheitsbereich E28–E50 und mit Arbeitsbreiten von ~130–210 Zoll gebaut; die Serie HKS 2-SE erreicht nach Herstellerangaben bis zu ~4.400 U/min — und genau das macht Trikot zu einem der schnellsten Flächenbildungsverfahren der Textilindustrie. Dimensionsstabilität und geringe Laufmaschenneigung machen Trikotware für großvolumige, funktionale Futter- und Sportanwendungen effizient.

Raschel: offene Struktur, Spitze, Netz und 3D

Raschelmaschinen nutzen deutlich mehr Legebarren — in repräsentativen Ausführungen 4 bis ~78 Legebarren — und das eröffnet offene, vielbarrige Strukturen wie Spitze, Netz, Tüll und komplexe Ajourmuster. Die einfonturigen Raschelserien RSE/RSJ wirken flache, offene Ware, während die doppelfonturige RD-Familie (z. B. RD 6/RD 7) und die HighDistance-Varianten zwei Warenflächen mit senkrechten Polfäden aus Monofilament verbinden und so 3D-Abstandsgewirke erzeugen. Ein Modell wie die KARL MAYER RD 7/2-12 EL arbeitet in repräsentativer Ausführung mit ~138 Zoll (3505 mm) Arbeitsbreite und ~850 Maschenreihen/min (~425 U/min); der Abstand zwischen beiden Warenflächen wird typischerweise auf ~2–15 mm eingestellt. Weder das Weben noch das Rundstricken erzeugen diese Struktur mit gleicher Effizienz — das ist die unterscheidende Kompetenz von Raschel.

Das Auswahlkriterium: ist die Struktur geschlossen oder offen?

  • Geschlossene, feine, glatte Oberfläche (Futter, Bademode, Shapewear, feines Mesh) → Trikot (Klasse KARL MAYER HKS): wenige Legebarren + hohe Maschinenfeinheit + sehr hohe Geschwindigkeit.
  • Offen, durchbrochen, Spitze/Netz/Tüll → Raschel (Klasse RSE/RSJ): viele Legebarren; die Musterkomplexität wächst mit der Zahl der Legebarren.
  • Voluminöse, druckverteilende, atmungsaktive 3D-Struktur (Sportschuh, Polstermöbel, orthopädische Auflage) → doppelfonturiges Raschel-Abstandsgewirke (Klasse RD/HighDistance).
  • Laufmaschensicherheit und gewebeähnliche Stabilität gibt es in beiden Familien; der Unterschied liegt in Flächengewicht, Offenheit und Musterfreiheit.

Trikot und Raschel im Vergleich

Typische/repräsentative Werte; die Feinheitsbereiche folgen Herstellerangaben und sind keine absoluten Grenzen.
MerkmalTrikotRaschel
Charakter der StrukturFein, geschlossen, glattOffen, durchbrochen, vielstrukturig
LegebarrenTypisch 2–4Typisch 4–~78
Typische MaschinenfeinheitE28–E50 (Klasse HKS)Breiter, musterabhängig
Geschwindigkeit (repräsentativ)HKS 2-SE ≤~4.400 U/minRD ~850 Maschenreihen/min (~425 U/min)
Referenz-OEM/SerieKARL MAYER HKSKARL MAYER RSE/RSJ, RD/HighDistance
Typische Arbeitsbreite (repräsentativ)~130–210 Zoll~138 Zoll (RD 7/2-12 EL)
Typischer EinsatzFutter, Bademode, Shapewear, feines MeshSpitze, Netz, Tüll, 3D-Abstandsgewirke
Besondere FähigkeitHohe Geschwindigkeit + gleichmäßige OberflächeVielbarriges Muster + doppelfonturiges 3D

Die praktische Entscheidung lässt sich so zusammenfassen: Soll die Ware fein, geschlossen und schnell/wirtschaftlich hergestellt werden, wählen Sie Trikot; soll sie offen, gemustert oder voluminös/3D sein, wählen Sie Raschel. Beide Strukturen werden aus 100 % Polyester-Filament gewirkt und anschließend mit Dispersionsfarbstoffen bei ~130 °C gefärbt und im Spannrahmen thermofixiert — zur Logik von Färberei und Textilveredlung lesen Sie unsere Leitfäden zur Dispersionsfärbung und zum Spannrahmen. Wie die Garnwahl (POY/FDY/DTY, Glanzgrad glänzend/halbmatt) Oberfläche und Griff bestimmt, behandeln wir in den Leitfäden zu Garn und Schmelzspinnen; das Kettenwirken ist der Schritt, in dem diese Garnentscheidungen zur Ware werden.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Trikotware und Raschelware?

Trikotware (Tricot) ist fein, geschlossen und sehr schnell (Futter, Bademode, Shapewear); Raschelware eignet sich für offene Strukturen, Spitze, Netz und 3D-Abstandsgewirke. Trikotware wird auf KARL MAYER HKS gewirkt, Raschelware auf den Maschinenfamilien RSE/RD.

Welches für Futter und Bademode, welches für Netz und Spitze?

Für eine feine, geschlossene Oberfläche (Futter, Bademode, Shapewear) Trikotware; für offene Strukturen, Netz, Spitze und 3D-Abstandsgewirke Raschelware.

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